Definition und Klassifikation von IT-Systemen
In dieser grundlegenden Lerneinheit erfährst du, wie sich IT-Systeme systematisch einordnen und kategorisieren lassen - von Einzelplatzrechnern bis zu komplexen Netzwerken. Du lernst die wichtigsten Merkmale und Unterscheidungskriterien von IT-Systemen kennen, um später fundierte Entscheidungen bei der Systemauswahl treffen zu können. Diese Klassifikationskenntnisse helfen dir dabei, die Anforderungen deiner Kunden besser zu verstehen und passende technische Lösungen vorzuschlagen.
Einführung
Du sitzt im Bewerbungsgespräch und dein zukünftiger Teamleiter fragt: “Welches IT-System würdest du für unser neues Projekt empfehlen?” Ohne ein klares Verständnis davon, wie IT-Systeme kategorisiert werden, wäre das wie eine Lotterieziehung.

Wie lassen sich IT-Systeme so klassifizieren, dass du für jeden Anwendungsfall die richtige Empfehlung geben kannst?
Die gute Nachricht: Es gibt bewährte Kriterien, mit denen du IT-Systeme systematisch einordnen und bewerten kannst.
In dieser Lerneinheit lernst du die Definition von IT-Systemen, verschiedene Klassifikationskriterien und moderne Bereitstellungsformen kennen.
Lernziele
Nach dieser Lerneinheit kannst du:
- erklären, was ein IT-System ist und wie das EVA-Prinzip dessen grundlegende Funktionsweise beschreibt
- IT-Systeme nach technischen, funktionalen und organisatorischen Kriterien klassifizieren
- die Schutzziele der Informationssicherheit (Verfügbarkeit, Vertraulichkeit, Integrität, Authentizität) auf IT-Systeme anwenden
- den Unterschied zwischen physischen und virtualisierten Systemen sowie On-Premise und Cloud-Bereitstellung erklären
Überleitung
Bevor wir in die Klassifikation einsteigen, klären wir zunächst, was ein IT-System überhaupt ist und nach welchem Grundprinzip es arbeitet.
Danach lernst du, wie IT-Systeme nach verschiedenen Kriterien eingeteilt werden - von der Größe über den Einsatzzweck bis hin zu Sicherheitsaspekten.
Was ist ein IT-System?
Ein IT-System ist eine Kombination aus Hardware, Software und Netzwerkkomponenten, die zusammenarbeiten, um Daten zu verarbeiten, zu speichern und zu übertragen.
IT-Systeme gibt es in allen Größenordnungen: von einem einzelnen Smartphone bis hin zu einem kompletten Rechenzentrum. Entscheidend ist, dass diese Komponenten als funktionale Einheit zusammenspielen.
Die grundlegende Funktionsweise jedes IT-Systems folgt einem einfachen Schema:
- Eingabe: Das System erhält Daten - durch Tastatur, Sensoren oder Netzwerk
- Verarbeitung: Die Daten werden nach programmierten Anweisungen verarbeitet
- Speicherung: Relevante Informationen werden für später gespeichert
- Ausgabe: Das Ergebnis wird angezeigt, gedruckt oder weitergeleitet
Das EVA-Prinzip
Das beschriebene Modell heißt EVA-Prinzip (Eingabe-Verarbeitung-Ausgabe). Die Speicherung ist eine Erweiterung, die den gesamten Prozess unterstützt.

Beispiel Geldautomat:
- Du gibst deinen PIN ein (Eingabe)
- Das System prüft Identität und Kontostand (Verarbeitung)
- Die Transaktion wird protokolliert (Speicherung)
- Du erhältst Geld und Beleg (Ausgabe)
Dieses Prinzip findest du in jedem IT-System wieder - ob Smartphone, Webserver oder Industriesteuerung.
Hardware-Komponenten
Hardware umfasst alle physischen Teile eines IT-Systems:

Die wichtigsten Hardwarekomponenten (Bildrechte: Ausbildung in der IT)
| Komponente | Funktion | Wichtige Merkmale |
|---|---|---|
| Prozessor (CPU) | Führt Berechnungen aus | Taktfrequenz, Kerne, Threads |
| Arbeitsspeicher (RAM) | Temporärer Speicher für aktive Daten | Schnell, aber flüchtig |
| Festspeicher (SSD/HDD) | Permanente Datenspeicherung | Langsamer, aber persistent |
Ein-/Ausgabegeräte ermöglichen die Interaktion: Tastatur und Maus als Eingabe, Monitor und Drucker als Ausgabe.
Software-Komponenten
Software sind die Programme, die auf der Hardware laufen. Wir unterscheiden zwei Hauptkategorien:
Betriebssystem - die Grundlage für alle anderen Programme. Es verwaltet Hardware-Ressourcen und bietet eine Benutzeroberfläche. Beispiele: Windows, macOS, Linux.
Anwendungssoftware - Programme für spezifische Aufgaben:
| Kategorie | Beispiele |
|---|---|
| Bürosoftware | Microsoft 365, LibreOffice |
| Entwicklungstools | Visual Studio Code, IntelliJ |
| Datenbanken | MySQL, PostgreSQL, MongoDB |
| Webbrowser | Chrome, Firefox, Edge |
Die Grenze zwischen Betriebssystem und Anwendung verschwimmt zunehmend: Viele Funktionen wie Dateiverwaltung oder Browser sind heute im OS integriert.
Netzwerkkomponenten
In der vernetzten Welt sind Netzwerkkomponenten unverzichtbar. Sie ermöglichen die Kommunikation zwischen IT-Systemen.

Netzwerkkomponenten im Überblick (Bildrechte: Ausbildung in der IT)
| Komponente | Aufgabe |
|---|---|
| Router | Verbindet verschiedene Netzwerke |
| Switch | Verbindet Geräte im selben Netzwerk |
| Netzwerkkarte | Ermöglicht Netzwerkzugang für einzelne Geräte |
| Access Point | Stellt WLAN-Verbindungen bereit |
Diese Komponenten sorgen dafür, dass Daten zwischen Geräten ausgetauscht werden können - ob im lokalen Netzwerk oder weltweit über das Internet.
Daten als Systemkomponente
Ohne Daten wären selbst leistungsfähigste Hardware und Software nutzlos. Daten in IT-Systemen haben verschiedene Formen:
| Datentyp | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Rohdaten | Unverarbeitete Informationen | Sensormesswerte |
| Strukturierte Daten | In Datenbanken organisiert | Kundentabelle |
| Metadaten | Daten über Daten | Erstellungsdatum einer Datei |
| Programmdaten | Ausführbarer Code | Anwendungssoftware |
Die Verwaltung, Sicherung und Analyse von Daten ist eine zentrale Aufgabe in IT-Systemen. Daten bilden die Grundlage für Information und Wissen.
Klassifikation nach Größe und Leistung
IT-Systeme lassen sich nach ihrer Größe und Leistungsfähigkeit einteilen:

IT-Systeme nach Größenklassen (Bildrechte: Ausbildung in der IT)
| Kategorie | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| Embedded Systems / IoT | Kleine, eingebettete Systeme | Raspberry Pi, Smart-Home-Geräte, Industriesensoren |
| Personal Computer | Einzelplatzrechner | Desktop-PC, Laptop |
| Workstation | Leistungsstarke PCs | CAD-Arbeitsplätze, Videobearbeitung |
| Server | Stellen Dienste bereit | Web-, Datenbank-, Fileserver |
| Mainframe | Großrechner für Massendaten | Banken, Versicherungen |
| Supercomputer | Höchstleistungsrechner | Wettervorhersage, Forschung |
Die Grenzen verschwimmen zunehmend durch Virtualisierung und Cloud-Technologien.
Klassifikation nach Einsatzzweck
IT-Systeme werden für unterschiedliche Zwecke entwickelt. Die Anforderungen bestimmen die Systemauswahl:
| Einsatzzweck | Beschreibung | Typische Anforderungen |
|---|---|---|
| Büroautomatisierung | Unterstützung von Büroarbeit | Stabilität, Benutzerfreundlichkeit |
| Produktionssteuerung | Steuerung von Fertigungsprozessen | Echtzeitfähigkeit, Ausfallsicherheit |
| Wissenschaft | Komplexe Berechnungen | Hohe Rechenleistung |
| Multimedia | Audio, Video, Grafik | Schnelle Grafik, viel Speicher |
| Datenbanksysteme | Verwaltung großer Datenmengen | Hohe IOPS, Redundanz |
Warum ist das wichtig? Die Klassifikation nach Einsatzzweck hilft dir, für Kundenanforderungen das passende System zu empfehlen.
Klassifikation nach Benutzeranzahl
Ein weiteres Kriterium ist, wie viele Benutzer gleichzeitig mit einem System arbeiten:
Einzelbenutzersysteme - nur ein Benutzer zur Zeit (persönlicher PC, Smartphone)
Mehrbenutzersysteme - mehrere Benutzer greifen gleichzeitig zu (Server mit mehreren Terminals)
Verteilte Systeme - mehrere vernetzte Computer arbeiten zusammen und erscheinen dem Benutzer als ein System (Cloud-Anwendungen, Cluster)
Die Benutzeranzahl beeinflusst:
- Ressourcenverwaltung: Wie wird CPU-Zeit und Speicher aufgeteilt?
- Zugriffssteuerung: Wer darf was sehen und bearbeiten?
- Leistungsanforderungen: Wie viele gleichzeitige Zugriffe muss das System verkraften?
Technische Kriterien
Technische Kriterien beschreiben die messbare Leistungsfähigkeit eines IT-Systems:
| Kriterium | Beschreibung | Typische Einheiten |
|---|---|---|
| Rechenleistung | Parallelisierungsgrad | Cores, Threads |
| FLOPS | Gleitkomma-Operationen (GPU/KI) | GFLOPS, TFLOPS |
| IOPS | Ein-/Ausgabe-Operationen (Storage) | IOPS |
| Speicherkapazität | RAM und Festspeicher | GB, TB |
| Netzwerkbandbreite | Datenübertragungsrate | Mbit/s, Gbit/s |
| Latenz | Reaktionszeit im Netzwerk | ms |
| Energieeffizienz | Leistung pro Watt | Performance/Watt |
Praxistipp: Die wichtigen Metriken hängen vom Einsatzzweck ab. Für Datenbanken zählen IOPS, für KI-Anwendungen FLOPS, für Webserver Latenz und Bandbreite.
Funktionale und organisatorische Kriterien
Funktionale Kriterien beschreiben, was ein System leisten kann:
- Aufgabenbereich: Welche Aufgaben kann es erfüllen?
- Skalierbarkeit: Kann es mit wachsenden Anforderungen mithalten?
- Kompatibilität: Lässt es sich in bestehende Infrastruktur integrieren?
Organisatorische Kriterien berücksichtigen den betrieblichen Kontext:
| Kriterium | Fragen |
|---|---|
| Nutzergruppen | Wer arbeitet damit? (Mitarbeiter, Kunden, Partner) |
| Standort | Wo wird es eingesetzt? (zentral, dezentral, mobil) |
| Wartung | Wie aufwändig ist die Instandhaltung? |
| Schulungsaufwand | Wie komplex ist die Bedienung? |
Diese Kriterien sind entscheidend für die erfolgreiche Integration eines IT-Systems im Unternehmen.
Sicherheitskriterien - Die CIA-Triade
Bei der Bewertung von IT-Systemen spielen Sicherheitskriterien eine zentrale Rolle. Die drei Grundpfeiler der Informationssicherheit bilden die CIA-Triade:
| Schutzziel | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Confidentiality (Vertraulichkeit) | Schutz vor unbefugtem Zugriff | Verschlüsselung, Zugriffsrechte |
| Integrity (Integrität) | Schutz vor unberechtigter Änderung | Prüfsummen, digitale Signaturen |
| Availability (Verfügbarkeit) | System ist nutzbar, wenn gebraucht | Redundanz, Backup-Systeme |
Dazu kommt als viertes Kriterium die Authentizität: Können Benutzer und Systeme ihre Identität zuverlässig nachweisen? (z.B. durch Zwei-Faktor-Authentifizierung)
Diese Kriterien sind IHK-prüfungsrelevant und bilden die Basis für IT-Sicherheitskonzepte.
Verfügbarkeit messen
Die Verfügbarkeit wird oft in Prozent der Betriebszeit angegeben:
| Verfügbarkeit | Bezeichnung | Maximal erlaubte Ausfallzeit pro Jahr |
|---|---|---|
| 99% | “Zwei Neunen” | 3,65 Tage |
| 99,9% | “Drei Neunen” | 8,76 Stunden |
| 99,99% | “Vier Neunen” | 52,6 Minuten |
| 99,999% | “Fünf Neunen” | 5,26 Minuten |
Je höher die Anforderung an die Verfügbarkeit, desto aufwändiger und teurer wird das System.
Praxisbeispiel: Ein Online-Shop mit 99,9% Verfügbarkeit darf maximal 8,76 Stunden pro Jahr ausfallen. Bei 10.000 Euro Umsatz pro Stunde kann jede Minute Ausfall teuer werden.
Virtualisierung - Ein fundamentales Konzept
Ein Server ist heute oft keine physische Maschine, sondern eine virtuelle Instanz. Virtualisierung ermöglicht es, mehrere virtuelle Systeme auf einer physischen Hardware zu betreiben.
Der Hypervisor ist die Software-Schicht, die diese Virtualisierung ermöglicht. Er verteilt die Ressourcen (CPU, RAM, Storage) auf die virtuellen Maschinen.
Warum ist Virtualisierung wichtig?
- Bessere Ressourcenauslastung: Ein physischer Server war früher oft nur zu 10-20% ausgelastet
- Flexibilität: Neue Server in Minuten statt Wochen bereitstellen
- Isolation: Probleme in einer VM beeinflussen andere nicht
- Kosteneinsparung: Weniger Hardware, weniger Strom, weniger Platz
Virtualisierung ist die technische Grundlage für Cloud Computing und in IHK-Prüfungen ein wichtiges Thema.
Cloud-Bereitstellungsmodelle
Moderne IT-Systeme werden zunehmend nicht mehr lokal betrieben, sondern aus der Cloud bezogen. Die grundlegende Unterscheidung:
On-Premise: Das System steht im eigenen Rechenzentrum. Volle Kontrolle, aber auch volle Verantwortung für Hardware, Wartung und Sicherheit.
Cloud: Das System wird von einem Anbieter bereitgestellt. Weniger Kontrolle, aber auch weniger Aufwand.

| Service-Modell | Was wird bereitgestellt? | Beispiele |
|---|---|---|
| IaaS (Infrastructure) | Virtuelle Hardware | AWS EC2, Azure VMs |
| PaaS (Platform) | Entwicklungsumgebung | Heroku, Azure App Service |
| SaaS (Software) | Fertige Anwendungen | Microsoft 365, Salesforce |
IHK-relevant: Die Unterscheidung On-Premise vs. Cloud und die Service-Modelle IaaS, PaaS, SaaS sind prüfungsrelevant für AP1.
Zusammenfassung
Ein IT-System ist die Kombination aus Hardware, Software und Netzwerkkomponenten, die nach dem EVA-Prinzip (Eingabe-Verarbeitung-Ausgabe, erweitert um Speicherung) arbeitet. Das Geldautomat-Beispiel zeigt dieses Prinzip anschaulich: PIN eingeben, Identität prüfen, Transaktion speichern, Geld ausgeben.

IT-Systeme lassen sich nach verschiedenen Klassifikationskriterien einordnen:
| Kriterienart | Beispiele |
|---|---|
| Größe/Leistung | Embedded Systems, PC, Server, Mainframe |
| Einsatzzweck | Büro, Produktion, Wissenschaft |
| Benutzeranzahl | Einzel-, Mehrbenutzer-, verteilte Systeme |
| Technisch | IOPS, Cores, Latenz, Bandbreite |
| Sicherheit | CIA-Triade plus Authentizität |
Die Schutzziele der Informationssicherheit (Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit, Authentizität) sind fundamentale Bewertungskriterien. Die Verfügbarkeit wird in “Neunen” gemessen - jede weitere Neun bedeutet deutlich weniger tolerierte Ausfallzeit.
Moderne IT-Systeme sind häufig virtualisiert - der Hypervisor ermöglicht mehrere virtuelle Maschinen auf einer physischen Hardware. Cloud-Bereitstellungsmodelle (IaaS, PaaS, SaaS) bieten Alternativen zum klassischen On-Premise-Betrieb.
Ausblick
In der nächsten Lerneinheit “Überblick über Hardwarekomponenten” vertiefst du dein Wissen über die einzelnen Bestandteile eines IT-Systems. Von Prozessoren über Arbeitsspeicher bis zu Speichermedien lernst du die technischen Details kennen, die hinter den Klassifikationskriterien stehen.