Definition: Audit im Qualitätsmanagement

Ein Audit ist eine systematische und unabhängige Untersuchung zur Überprüfung, ob bestimmte Anforderungen erfüllt werden.


Wie lautet die offizielle Definition eines Audits?

Die offizielle Definition nach DIN EN ISO 9000 lautet:

“Ein Audit ist ein systematischer, unabhängiger und dokumentierter Prozess zur Erlangung von objektiven Nachweisen und zu deren objektiver Auswertung, um zu bestimmen, inwieweit Auditkriterien erfüllt sind.”

Diese Definition unterstreicht die Kernaspekte eines Audits:

  • Systematisch: Es folgt einem strukturierten Ansatz
  • Unabhängig: Es wird neutral durchgeführt
  • Dokumentiert: Alle Schritte und Ergebnisse werden festgehalten
  • Objektiv: Es basiert auf Fakten, nicht auf Meinungen
  • Kriterienbasiert: Es prüft gegen vorher festgelegte Standards

Wie unterscheiden sich Audits von anderen Prüfmethoden?

Audits haben spezifische Merkmale, die sie von anderen Prüfmethoden wie Inspektionen oder Tests unterscheiden. Hier eine vergleichende Übersicht:

MerkmalAuditInspektionTest
FokusProzesse und SystemeProdukte oder DienstleistungenSpezifische Eigenschaften
UmfangGanzheitlichSpezifischSehr spezifisch
ZeitpunktRegelmäßigOft am Ende des ProzessesJederzeit möglich
ErgebnisVerbesserungsvorschlägePass/Fail-EntscheidungMesswerte oder Pass/Fail

Während ein Test beispielsweise nur prüft, ob ein Produkt bestimmte Eigenschaften hat, geht ein Audit viel tiefer. Es betrachtet den gesamten Prozess und fragt: “Wie können wir das insgesamt verbessern?”

Audits sind somit umfassender und zielen auf eine kontinuierliche Verbesserung des gesamten Systems ab, während Inspektionen und Tests eher punktuelle Überprüfungen darstellen.


Welche Arten von Audits gibt es?

Es gibt verschiedene Arten von Audits, die sich nach der durchführenden Partei und dem Prüfgegenstand unterscheiden:

Audits nach durchführender Partei:

  1. Interne Audits (First Party)
  • Durchgeführt von: Geschulten internen Auditoren
  • Zweck: Prozessverbesserung und Vorbereitung auf externe Audits
  • Vorteil: Tiefes Verständnis der eigenen Prozesse
  1. Lieferantenaudits (Second Party)
  • Durchgeführt von: Kunden oder beauftragten Auditoren
  • Zweck: Sicherstellung der Qualität von Lieferanten
  • Vorteil: Verbesserte Zusammenarbeit in der Lieferkette
  1. Externe Audits (Third Party)
  • Durchgeführt von: Akkreditierten Zertifizierungsstellen
  • Zweck: Erhalt offizieller Zertifizierungen (z.B. ISO 9001)
  • Vorteil: Unabhängige Bestätigung der Qualitätsstandards

Audits nach Prüfgegenstand:

  1. Systemaudits
  • Fokus: Gesamtes Managementsystem
  • Beispiel: Überprüfung der Einhaltung der ISO 9001-Norm
  1. Prozessaudits
  • Fokus: Einzelne Geschäftsprozesse
  • Beispiel: Überprüfung des Beschaffungsprozesses
  1. Produktaudits
  • Fokus: Endprodukt oder Dienstleistung
  • Beispiel: Stichprobenprüfung von fertigen Produkten

Jede Auditart hat ihren spezifischen Zweck und trägt auf ihre Weise zur Verbesserung der Qualität und Effizienz im Unternehmen bei.


Lass uns den Ablauf eines Audits genauer betrachten

Der Ablauf eines Audits lässt sich in vier Hauptphasen unterteilen:

  1. Planung und Vorbereitung
  • Festlegung des Auditziels und -umfangs
  • Auswahl des Auditteams
  • Erstellung eines Zeitplans
  • Sammlung relevanter Dokumente und Informationen
  1. Durchführung des Audits
  • Eröffnungsgespräch mit dem Management
  • Interviews mit Mitarbeitern
  • Beobachtung von Prozessen
  • Überprüfung von Dokumenten und Aufzeichnungen
  1. Auswertung und Berichterstattung
  • Zusammenfassung der Auditergebnisse
  • Feststellung von Konformitäten und Nichtkonformitäten
  • Formulierung von Verbesserungsvorschlägen
  • Erstellung des Auditberichts
  1. Nachbereitung und Maßnahmenableitung
  • Entwicklung eines Maßnahmenplans für festgestellte Abweichungen
  • Festlegung von Verantwortlichkeiten und Terminen
  • Überprüfung der Umsetzung der Maßnahmen
  • Bewertung der Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen

Jede Phase ist entscheidend für den Erfolg des Audits und trägt zur kontinuierlichen Verbesserung des Unternehmens bei.


Wie läuft ein Zertifizierungsprozess ab?

Der Zertifizierungsprozess ist ein strukturierter Ablauf, bei dem ein Unternehmen nachweist, dass es bestimmte Standards erfüllt. Hier sind die typischen Schritte:

  1. Vorbereitung: Das Unternehmen implementiert das entsprechende Managementsystem (z.B. nach ISO 9001).

  2. Antragstellung: Anfrage bei einer akkreditierten Zertifizierungsstelle.

  3. Dokumentenprüfung: Die Zertifizierungsstelle überprüft die Unterlagen des Managementsystems.

  4. Vor-Audit (optional): Eine erste Überprüfung zur Vorbereitung auf das Hauptaudit.

  5. Zertifizierungsaudit: Das eigentliche Audit zur Überprüfung der Normkonformität.

  6. Zertifikatserteilung: Bei erfolgreicher Prüfung wird das Zertifikat ausgestellt.

Anforderungen an Unternehmen für eine Zertifizierung:

  • Implementiertes und dokumentiertes Managementsystem
  • Einhaltung aller relevanten gesetzlichen und normativen Anforderungen
  • Nachweis der Wirksamkeit des Managementsystems
  • Bereitschaft zur kontinuierlichen Verbesserung
  • Qualifiziertes Personal zur Umsetzung des Managementsystems

Aufrechterhaltung und Erneuerung:

  • Jährliche Überwachungsaudits
  • Rezertifizierung alle drei Jahre
  • Kontinuierliche Verbesserung des Managementsystems
  • Regelmäßige Schulungen der Mitarbeiter

Eine Zertifizierung ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein fortlaufender Prozess zur stetigen Verbesserung des Unternehmens.


Abschlussquiz

Was ist der Hauptzweck eines Audits im Qualitätsmanagement?

Blank

  • Bestrafung von Mitarbeitern bei Fehlern
  • Überprüfung der Einhaltung von Standards und Identifikation von Verbesserungspotentialen
  • Ausschließlich die Dokumentation von Prozessen
  • Erhöhung der Produktionsgeschwindigkeit

Welche Art von Audit wird von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle durchgeführt?

Blank

  • Internes Audit
  • Lieferantenaudit
  • Externes Audit
  • Prozessaudit

Was ist kein typischer Schritt im Ablauf eines Audits?

Blank

  • Planung und Vorbereitung
  • Durchführung des Audits
  • Sofortige Entlassung von Mitarbeitern bei Fehlern
  • Auswertung und Berichterstattung

Welcher Vorteil ergibt sich nicht direkt aus einer Zertifizierung?

Blank

  • Wettbewerbsvorteil
  • Prozessoptimierung
  • Garantierte Gewinnsteigerung
  • Verbessertes Image

Was ist ein wichtiger Bestandteil der Aufrechterhaltung einer Zertifizierung?

Blank

  • Jährliche Überwachungsaudits
  • Tägliche Berichterstattung an die Zertifizierungsstelle
  • Vollständige Neuimplementierung des Managementsystems jedes Jahr
  • Ausschluss aller Mitarbeiter von Verbesserungsprozessen