Definition: Angebotsvergleich

Ein Angebotsvergleich ist ein systematisches Vorgehen, bei dem verschiedene Angebote von Lieferanten gegenübergestellt und bewertet werden. Das Ziel ist es, das für das Unternehmen vorteilhafteste Angebot zu ermitteln.


Warum ist ein Angebotsvergleich wichtig?

Ein gründlicher Angebotsvergleich hilft dir:

  • Die beste Entscheidung für dein Unternehmen zu treffen
  • Möglicherweise bessere Konditionen oder höhere Qualität zu entdecken
  • Kosten zu optimieren
  • Die Qualität der eingekauften Produkte oder Dienstleistungen sicherzustellen
  • Risiken zu minimieren (z.B. durch Auswahl zuverlässiger Lieferanten)
  • Transparenz in der Beschaffung zu schaffen
  • Fundierte Entscheidungen zu treffen

Stell dir den Beschaffungsprozess wie eine Reise vor. Der Angebotsvergleich ist dabei wie dein Navigationssystem. Er hilft dir, den besten Weg zum Ziel zu finden – in diesem Fall das beste Angebot für dein Unternehmen.


Welche Arten von Angebotsvergleichen gibt es?

Beim Angebotsvergleich unterscheiden wir zwei Hauptansätze:

  1. Quantitativer Angebotsvergleich: Hier geht es um die Zahlen. Wie viel kostet das Produkt? Welche Rabatte gibt es? Wie hoch sind die Lieferkosten?

  2. Qualitativer Angebotsvergleich: Dieser Ansatz betrachtet Aspekte, die sich nicht direkt in Zahlen ausdrücken lassen. Wie ist die Qualität des Produkts? Wie zuverlässig ist der Lieferant? Wie gut ist der Kundenservice?

Beide Ansätze sind wichtig und ergänzen sich. Ein ausgewogener Angebotsvergleich berücksichtigt sowohl quantitative als auch qualitative Aspekte.


Lass uns den quantitativen Angebotsvergleich genauer betrachten

Der quantitative Angebotsvergleich konzentriert sich auf messbare, zahlenmäßige Aspekte. Das Ziel ist es, die Angebote anhand objektiver Kriterien zu vergleichen und das wirtschaftlich günstigste zu ermitteln.

Wichtige Kriterien beim quantitativen Vergleich sind:

  • Listeneinkaufspreis: Der Grundpreis des Produkts
  • Rabatte: Mengenrabatte, Sonderrabatte, Treuerabatte etc.
  • Skonto: Ein Preisnachlass bei schneller Zahlung
  • Lieferkosten: Kosten für Transport, Verpackung, Versicherung etc.
  • Zahlungsbedingungen: Zahlungsziel, Ratenzahlung etc.

Das zentrale Element des quantitativen Angebotsvergleichs ist der Bezugspreis. Dies ist der tatsächliche Preis, den du für ein Produkt bezahlst, nachdem alle Zu- und Abschläge berücksichtigt wurden.


Wie berechnet man den Bezugspreis?

Die Berechnung des Bezugspreises erfolgt in mehreren Schritten:

  Listeneinkaufspreis
- Rabatt
---------------------
= Zieleinkaufspreis
- Skonto
---------------------
= Bareinkaufspreis
- Bezugskosten (z.B. Lieferkosten)
----------------------
= Bezugspreis
SchrittBeschreibungBerechnungBetrag
1ListeneinkaufspreisAusgangsbetrag100,00 €
2Rabatt (5%)100,00 € × 5%-5,00 €
3Zieleinkaufspreis100,00 € - 5,00 €95,00 €
4Skonto (2%)95,00 € × 2%-1,90 €
5Bareinkaufspreis95,00 € - 1,90 €93,10 €
6Bezugskosten (z.B. Lieferkosten)Zusätzliche Kosten10,00 €
7Bezugspreis93,10 € + 10,00 €103,10 €

Der Bezugspreis ermöglicht einen direkten Vergleich verschiedener Angebote unter Berücksichtigung aller relevanten finanziellen Aspekte.


Jetzt zum qualitativen Angebotsvergleich

Der qualitative Angebotsvergleich konzentriert sich auf nicht-monetäre Aspekte, die sich nicht direkt in Zahlen ausdrücken lassen. Ziel ist es, die Angebote hinsichtlich ihrer Qualität und anderer wichtiger Faktoren zu bewerten.

Relevante Kriterien für die qualitative Bewertung können sein:

  • Produktqualität: Entspricht das Produkt deinen Anforderungen?
  • Lieferzeit: Wie schnell kann der Anbieter liefern?
  • Lieferzuverlässigkeit: Hält der Anbieter seine Zusagen ein?
  • Service: Wie gut ist der Kundenservice? Gibt es technischen Support?
  • Flexibilität: Kann der Anbieter auf kurzfristige Änderungen reagieren?
  • Nachhaltigkeit: Wie umweltfreundlich produziert und liefert der Anbieter?
  • Reputation: Welchen Ruf hat der Anbieter in der Branche?

Jedes Unternehmen hat unterschiedliche Prioritäten. Was für dein Unternehmen am wichtigsten ist, hängt von euren spezifischen Bedürfnissen ab.


Wie führt man einen qualitativen Angebotsvergleich durch?

Um einen strukturierten qualitativen Vergleich durchzuführen, kannst du eine Bewertungsmatrix erstellen. Hier die Schritte:

  1. Liste alle relevanten Kriterien auf.
  2. Gewichte die Kriterien nach ihrer Wichtigkeit (z.B. von 1-10).
  3. Bewerte jeden Anbieter für jedes Kriterium (z.B. von 1-5).
  4. Multipliziere die Gewichtung mit der Bewertung.
  5. Addiere die Punkte für jeden Anbieter.

Hier ein Beispiel:

KriteriumGewichtungAnbieter AAnbieter BAnbieter C
Qualität104 (40)5 (50)3 (30)
Lieferzeit83 (24)4 (32)5 (40)
Service65 (30)3 (18)4 (24)
Gesamtpunkte9410094

In diesem Beispiel schneidet Anbieter B am besten ab, obwohl er bei der Lieferzeit nicht Spitzenreiter ist.


Wie kombiniert man quantitative und qualitative Aspekte?

Um eine ganzheitliche Bewertung zu erhalten, ist es wichtig, sowohl quantitative als auch qualitative Aspekte zu berücksichtigen. Hier kommen Gewichtung und Nutzwertanalyse ins Spiel.

  1. Bestimme die Gewichtung für quantitative und qualitative Aspekte (z.B. 60% quantitativ, 40% qualitativ).
  2. Führe separate Analysen für quantitative und qualitative Aspekte durch.
  3. Kombiniere die Ergebnisse entsprechend der Gewichtung.

Beispiel:

  • Quantitative Analyse: Anbieter A hat den besten Bezugspreis (100 Punkte)
  • Qualitative Analyse: Anbieter B hat die höchste Punktzahl (100 Punkte)

Gesamtbewertung:

  • Anbieter A: (100 * 0,6) + (94 * 0,4) = 97,6 Punkte
  • Anbieter B: (90 * 0,6) + (100 * 0,4) = 94 Punkte

In diesem Fall wäre Anbieter A trotz geringerer qualitativer Bewertung insgesamt vorne. Die Nutzwertanalyse werden wir in der nächsten Lektion genauer betrachten.


Abschlussquiz

Was ist das Hauptziel eines Angebotsvergleichs?

Blank

  • Den günstigsten Preis zu finden
  • Das für das Unternehmen vorteilhafteste Angebot zu ermitteln
  • Die Lieferanten gegeneinander auszuspielen
  • Den Beschaffungsprozess zu verlängern

Was ist nicht Teil des quantitativen Angebotsvergleichs?

Blank

  • Listeneinkaufspreis
  • Rabatte
  • Lieferkosten
  • Kundenservice-Qualität

Was ist der Bezugspreis?

Blank

  • Der Listenpreis eines Produkts
  • Der Preis nach Abzug aller Rabatte
  • Der tatsächliche Preis unter Berücksichtigung aller Zu- und Abschläge
  • Der Preis inklusive Mehrwertsteuer

Welche Methode wird oft für den qualitativen Angebotsvergleich verwendet?

Blank

  • Bezugspreisberechnung
  • Bewertungsmatrix
  • Rabattberechnung
  • Lieferzeitanalyse